Schaudepot Wemhöner
Das Schaudepot vereint Ausstellung, Lagerung und Verwaltung einer privaten Kunstsammlung unter einem Dach. Neben einem großzügigen Ausstellungsraum umfasst das Raumprogramm ein Kunstlagers zur fachgerechten Lagerung der Exponate sowie Büro- und Verwaltungsflächen für die Sammlung Wemhöner. Oberhalb des Ausstellungsraums befinden sich zudem Ateliers, die Künstlerinnen und Künstlern als Arbeitsräume zur Verfügung stehen.
Der Ausstellungsraum bildet den öffentlich zugänglichen Bereich der Sammlung und ermöglicht es Besucherinnen und Besuchern, die Kunstwerke im Rahmen von Ausstellungen und Veranstaltungen unmittelbar zu erleben.
Städtebau
Der Gebäudekomplex gliedert sich in zwei kubische Baukörper, deren Maßstab sich sensibel aus der umgebenden Bebauung entwickelt. Im südlichen Gebäude befindet sich der Eingang zur Ausstellung, während das nördliche Gebäude das Kunstlager mit eigener Anlieferung aufnimmt. Eine subtile Abstaffelung des südlichen Baukörpers vermittelt zwischen dem Neubau und den benachbarten Wohngebäuden. Zur Straße hält das Gebäude bewusst Abstand und fügt sich zurückhaltend in den von mehreren Säuleneichen geprägten Straßenraum ein. Dadurch tritt der Bau nicht dominant in Erscheinung, sondern respektiert die vorhandene Freiraumstruktur.
Beide Baukörper sind über einen überdachten Verbindungsgang miteinander verbunden, dessen Konstruktion durch ein regelmäßiges Raster schlanker Sichtbetonstützen geprägt wird. Das reduzierte Stützenraster erzeugt ein lebendiges Schattenspiel, das sich je nach Tages- und Jahreszeit verändert und dem Gang eine wechselnde räumliche Atmosphäre verleiht.
Gemeinsam umschließen die Baukörper den Bestandsbau „In Vino“, einen Gewerbebau des Architekten Heinrich Martin Bruns. Anstatt als eigenständige Solitäre aufzutreten, beziehen sich die Neubauten auf den Bestand und schaffen so klar definierte Außenräume sowie eine zusammenhängende Gesamtkomposition, die Alt und Neu miteinander verbindet.
Materialität
Die Fassaden sind zurückhaltend gestaltet und weisen nur wenige, gezielt gesetzte Fenster auf. Die geringe Anzahl an Fensteröffnungen ergibt sich unmittelbar aus den Anforderungen an ein Kunstlager, das konstante klimatische Bedingungen und den Schutz der Exponate gewährleisten muss. Umso wichtiger wird die Materialität der Fassade: Der geschuppte Verblendstein erzeugt durch seine besondere Struktur ein feines Spiel aus Licht und Schatten. Gleichzeitig nimmt die horizontale Schuppung der Verblendfassade Bezug auf die Wellblechfassade des Bestandsgebäudes „In Vino“ und schafft so eine gestalterische Verbindung. Die überlappende Anordnung der Steine lässt die Fassade je nach Sonnenstand unterschiedlich erscheinen und verleiht dem Baukörper trotz seiner geschlossenen Erscheinung eine lebendige Ausstrahlung. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die Klaviatur verschiedener Grautöne des Mauerwerks, die die plastische Wirkung zusätzlich verstärken.
Im Innenraum prägen Sichtbeton, weiße Wandflächen und geschliffener Estrich die Materialpalette. Die zurückhaltende Gestaltung schafft damit einen ruhigen, neutralen Hintergrund, der den Kunstwerken den notwendigen Raum gibt und ihre Wirkung in den Mittelpunkt stellt.
| Auftrag | |
| Raum | 2.000 qm BGF |
| Ort | Herford |
| Zeit | 2022 – 2026 |
| Bild |